Fanc Žnidaršič nimmt in Vertretung für die erkrankte Ivica Žnidaršič die Auszeichnung durch den slowenischen Staatspräsidenten Borut Pahor entgegen. Foto: Bor Slana/STA

Fanc Žnidaršič nimmt in Vertretung für die erkrankte Ivica Žnidaršič die Auszeichnung durch den slowenischen Staatspräsidenten Borut Pahor entgegen. Foto: Bor Slana/STA

Zdenka Kaplan, Fanc Žnidaršič und eine weitere Schwester (v. r. n. l.) nach der Verleihung. Foto: privat

Der slowenische Verdienstorden „The Order of Merit“. Foto: privat

Verdienstorden für Ivica Žnidaršič

Im 2. Weltkrieg nach Rudolstadt verschleppte Zwangsarbeiterin aus Slowenien erhält nationale Auszeichnung

Seit 1998 steht die Stadt Rudolstadt in Verbindung zur Vereinigung ehemaliger slowenischer Zwangsarbeiter und deren Vorsitzenden Ivica Žnidaršič. Žnidaršič musste als Siebenjährige mit ihrer Familie aus ihrer Heimat fliehen. Später wurden sie ins Exillager nach Rudolstadt geschickt. Seitdem besuchte Žnidaršič nicht nur häufig Rudolstadt und die Region und hält Kontakt zur Stadt, sie setzt sich vor allem in ihrem Land für die Aufarbeitung von Unrecht ein und kämpft unermüdlich für die Wiedergutmachung slowenischer Exilanten und Flüchtlinge, die Opfer von Kriegsgewalt wurden.

Jetzt erhielt Ivica Žnidaršič für ihren jahrelangen Einsatz für tausende Menschen vom slowenischen Staatspräsidenten Borut Pahor den nationalen Verdienstorden „The Order of Merit“. Es ist die höchste Auszeichnung, die der slowenische Staat für außergewöhnliche Verdienste und Taten von besonderer Bedeutung für den Wohlstand Sloweniens verleiht.

Eigentlich wollte eine Delegation aus Rudolstadt über Pfingsten auf Einladung der Vereinigung nach Ljubljana reisen. Leider musste der Termin wegen einer schweren Erkrankung von Ivica Žnidaršič abgesagt werden. Daher konnte sie in der letzten Woche auch ihre Auszeichnung nicht persönlich entgegennehmen. Bürgermeister Jörg Reichl übermittelte Žnidaršič ein Glückwunschschreiben mit besten Genesungswünschen und der Hoffnung, sich bald wieder persönlich treffen zu können.


Auszug aus der Laudatio zur Verleihung des slowenischen Verdienstordens:

„Professor Ivica Žnidaršič ist das Herz, das Gesicht und das Gewissen der slowenischen Exilanten und Flüchtlinge, die Opfer von Kriegsgewalt wurden. Die tragische Erfahrung zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, als die Deutschen sie als siebenjähriges Mädchen mit ihrer Familie aus ihrer Heimat in der Gemeinde Škocjan vertrieben und dann bis Kriegsende aus dem damals größten Sammellager Europas auf Schloss Rajhenburg in deutsche Exillager schickten, prägte ihr Leben. Sie widmet sich immer selbstlos der Hilfe für andere und kümmert sich um ihre Mitmenschen. Nach ihrer Pensionierung im Jahr 1991 widmete sie ihre ganze Energie, ihre Seele und ihr Herz dem Kampf für die Wiedergutmachung der Ungerechtigkeiten, die slowenischen Exilanten und Flüchtlingen, die Opfer von Kriegsgewalt wurden, angetan wurden. Sie war eine der Gründerinnen der Vereinigung der Exilanten Sloweniens, die sie seit 2001 leitet, und konsequent versucht, das historische Gedächtnis der völkermörderischen Politik gegenüber den Slowenen im Zweiten Weltkrieg und ihrer Vertreibung in ihrer grausamsten Form zu bewahren.“

 

Michael Wirkner
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit