Kindergartenleiterin Jana Hartig begrüßte zusammen mit Ute Kind, Leiterin der Sozialarbeit beim DRK, Landrat Marko Wolfram und Bürgermeister Jörg Reichl. Foto: Michael Wirkner

Robert Limmer (l.) erklärt die verschiedenen Mahlgrade und Kornsorten für unterschiedliche Mehlsorten. Foto: Michael Wirkner

Ulf Nestler gibt einen Einblick in eine der Mühlen. Foto: Michael Wirkner

Leider nicht mehr genug Wasser für die Mühle. Foto: Michael Wirkner

Firmenchef Jürgen C. Binzer von BinNova Microfiltration im Industriegebiet in Schwarza erklärt unterschiedliche Rohstoffe zur Vliesproduktion für Filteranlagen.

Besuch bei Kindern, Müllern und Filterexperten

Landrat Marko Wolfram unterwegs in Rudolstadt mit Bürgermeister Jörg Reichl

Am Mittwoch besuchte Landrat Marko Wolfram gemeinsam mit Bürgermeister Jörg Reichl den DRK-Kindergarten Henry Dunant, die Nestler Mühle in Alt-Schwarza und die Firma BinNova Microfiltration im Gewerbegebiet Schwarza. „Ich bin wieder einmal sehr beeindruckt, was Rudolstadt zu bieten hat, von attraktiver Kinderbetreuung über traditionsreiche Familienbetriebe bis zum global agierenden Hi-Tech-Unternehmen. Zusammen mit unserer herrlichen Natur und dem enormen kulturellen Angebot ist die Region der perfekte Familienstandort“, sagte Wolfram.

Wenige Tage nach dem fünfjährigen Einzugsjubiläum des Kindergartens Henry Dunant in Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) begrüßte Kindergartenleiterin Jana Hartig zusammen mit Ute Kind, Leiterin der Sozialarbeit beim DRK, die Besucher. Die Kinder hatten zur Begrüßung eigens ein Lied auf den Gründer des Roten Kreuzes und Namensgeber ihrer Einrichtung, Henry Dunant, angestimmt. Derzeit sind dort 118 Kinder angemeldet und werden von 17 pädagogischen Fachkräften und vier Beschäftigten im Technikbereich betreut.

„Das Team war von Beginn an in den Neubauprozess einbezogen. Das war großartig und so konnte die inhaltliche Gestaltung gleich mitwachsen“, sagte Kind. Die Begeisterung für den Kindergarten ist Erzieherinnen und Kinder gleichermaßen anzumerken. Das Gebäude ist durchdacht und perfekt auf die Bedürfnisse der Kinder aber auch der Erzieherinnen abgestimmt. So erspart ein kleines Treppchen zum Wickeltisch das Heben der Kleinen. Die Räume sind nach spielerischem Angebot ausgestattet, vom Bewegungsraum über ein Kreativzimmer bis zur Mini-Werkstatt. Wenig überraschend, dass die Kinder auf die Frage des Landrates, ob ihnen ihr Kindergarten gefällt ein lautes „Ja“ riefen.

In Alt-Schwarza führten Robert Limmer und Ulf Nestler die Gäste durch das Anfang des 20. Jahrhunderts von Nestlers Urgroßvater gebaute Mühlengebäude. Der Familienbetrieb setzt konsequent auf Regionalität. Das Getreide wird aus einem Umkreis von 50 Kilometern bezogen, die verschiedenen Mahlerzeugnisse im gleichen Umkreis ausgeliefert. Größter Partner ist der Meisterbäcker Scherf in Könitz, der wöchentlich 12 Tonnen Weizenmehl und 6 Tonnen Roggenmehl aus Schwarza bekommt. Sorgen bereiten den Unternehmern die dramatisch gestiegenen Preise für Energie und Dünger, die sich zum Teil mehr als verdoppelt haben. „Durch den fehlenden Dünger wird es Probleme bei der Mehlqualität geben“, fürchtet Limmer.

Finanzielle Entlastung für die Müller könnte die stärkere Nutzung der Wasserkraft bringen, doch die trockenen Jahre und der Bewuchs im Mühlgraben haben die Wassermenge aus der Schwarza stark reduziert. Bei ausreichend Wasserdurchfluss könnte der 55-Kilowatt-Motor, der im Keller zentral die Transmission für die Maschinen betreibt, pausieren, und die Natur würde die nötige Antriebsenergie stellen. Doch die unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse von Wehr und Mühlgraben erweisen sich als Hürden bei der Sanierung der Anlage. Landrat Wolfram versprach das Thema bei der Unteren und Oberen Wasserbehörde anzusprechen. Sein Fazit von dem Besuch in Alt-Schwarza: „Die Nestler Mühle ist ein echtes Vorbild für einen regionalen Wirtschaftskreislauf.“ Bürgermeister Reichl lobte das Familienunternehmen für sein Engagement im Sanierungsgebiet. „Sie haben mit dem stadtbildprägenden Gebäude der Mühle einen Maßstab gesetzt.“

Maßstäbe setzt inzwischen auch die Firma BinNova Microfiltration im Industriegebiet in Schwarza. Die Firma stellt aus Glasfasern Hi-Tech-Filterwerkstoffe her, die unter anderem in Motoren, Windrädern oder Luftfiltern zum Einsatz kommen. Firmenchef Jürgen C. Binzer blickt dabei ebenfalls auf eine lange Familientradition zurück. Seine Vorfahren im hessischen Frankenberg stellten schon handgeschöpftes Papier für 4711 Köllnisch Wasser her. Die Entscheidung für ein neues Werk in Rudolstadt fiel nach genauer Analyse. „Die Nähe zum TITK und die Chemiefaser-Tradition hier am Standort haben gepasst“, sagt Binzer.

Nach einer holprigen Anfangszeit 2017 ist das Unternehmen auf Wachstumskurs und hat ein klares Ziel: Technologieführer für Hydraulikölfiltration und sogenannte Koaleszer Filter. Das sind Filtervliese, die winzige Flüssigkeitströpfchen aus Gasen filtern. Bei Hydraulikfiltern ist das Ziel bereits erreicht, bei den Koaleszer Filtern demnächst. „Wir haben sehr hart gearbeitet und sind mit den Füßen auf der Erde geblieben“, erklärt Binzer das Erfolgsrezept der Firma. Inzwischen beschäftigt BinNova 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sucht weitere. Das Team ist international, die Beschäftigten kommen aus Deutschland, Pakistan, Marokko, Kirgistan, Kasachstan, Äthiopien, Kamerun und Rumänien.

Zur Lagerung der Rohstoffe wurde eine zusätzliche Halle angemietet. Denn einen Stillstand, weil Container mit Rohstoffen nicht ankommen, will Binzer unbedingt vermeiden. Wurden früher Rohstoffe für drei Wochen Produktion vorgehalten, sind es jetzt für drei Monate. Neben der Verfügbarkeit von Rohstoffen bereiten auch die hohen Energiepreise Sorgen. Sie machen rund zehn Prozent der Produktionskosten aus. Schließlich sucht Binzer noch nach einer Verwendung für die Reststoffe der Filterproduktion. Die hochwertigen Schnittreste könnten als Isolationsmaterial zum Einsatz kommen.

 

Peter Lahann
Presse- und Kulturamt
Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt