Mirko Schreiber als Erster Beigeordneter der Stadt Rudolstadt und verantwortlich für die Schulen, Christian Hantschel von der ausführenden Tischlerei, Mario Vogt von der Recycling-Firma Dekura sowie Tischlerei-Mitarbeiterin Franziska Mühlbach. Foto: Michael Wirkner

Ein Fensterprofil der neuen Fenster mit bereits recyceltem Kunststoff-Innenleben. Foto: Michael Wirkner

Ungefähr die Hälfte der alten Fenster sind bereits ausgebaut und in den von der Recycling-Firma gestellten Container eingebaut. Foto: Michael Wirkner

Lehrbeispiel für umweltgerechtes Altfensterrecycling

Altfenster der Anton-Sommer-Schule werden aufwendig recycelt

Der Unterricht für die zirka 180 Schülerinnen und Schüler der Staatlichen Grundschule Anton Sommer in Rudolstadt muss zurzeit in anderen Schulgebäuden stattfinden. Denn ihre Schule wird von Grund auf saniert und soll im Frühjahr 2023 im runderneuerten Outfit wieder öffnen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Bereichen energetische Sanierung, Erneuerung der Elektrik, digitale Ausstattung und Barrierefreiheit. Darüber hinaus erfolgt eine Neugestaltung des Außenbereiches. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 3,7 Mio. Euro mit einem Fördermittelanteil von 2,4 Mio. Euro. Im Rahmen der Kernsanierung des Baukörpers erfolgt unter anderem der Austausch von 125 alten Fenstern gegen moderne, Energie sparende Rehau-Kunststofffenster.

Erster Hersteller von Kunststofffenstern in den neuen Bundesländern
Ausführendes Unternehmen ist die in Saalfeld / Saale ansässige Tischlerei Hantschel. Der 1901 zunächst als Zimmerei Kämmer gegründete Familienbetrieb wird derzeit in der dritten Generation geführt. Hantschel war 1990 der erste Hersteller für Kunststofffenster in den neuen Bundesländern und beschäftigt heute 39 Angestellte. Neben Fenstern gehören u.a. auch Türen, Innenausbau, Möbelbau, Massivholzbau und Wintergärten zum Produktportfolio.

Große Mengen an CO² gespart
Die Stadt Rudolstadt setzt bei der Entsorgung der Altfenster auf werkstoffliches Recycling und einen umweltfreundlichen Materialkreislauf. Die ausgedienten Bauelemente werden dabei in Containern gesammelt und dann zur Recyclinganlage der Dekura GmbH in Höxter gebracht. Dort werden sie in einem technisch ausgereiften und bewährten Prozess recycelt. Zunächst erfolgt dabei die Materialtrennung in Glas, Gummi, Metall und Kunststoff-Bestandteile. Aus diesen entsteht am Ende ein nahezu sortenreines PVC-Rezyklat, welches bei den Fensterprofilherstellern erneut in die Produktion von Recyclingprofilen einfließt. Diese weisen die gleiche bauphysikalische Qualität auf wie Neuware. Was viele nicht wissen: Die Wiederverwertung des Werkstoffes spart große Mengen an CO².

Branchenlösung seit 20 Jahren
„Dieses Verfahren wird in Deutschland seit 20 Jahren von unserer Branchenlösung organisiert", berichtete Michael Vetter, Geschäftsführer der Rewindo GmbH Fenster-Recycling-Service aus Bonn. Das bundesweit tätige werkstoffliche Recyclingsystem für ausgediente PVC-Fenster,-Türen und -Rollläden, hat im Jahr 2021 aus Altfenstern 42.500 Tonnen und weitere 106.000 Tonnen Rezyklat aus Produktionsabfällen gewonnen. ,,Um es etwas plastischer zu machen: Wir haben mit Hilfe unserer Recyclingpartner, darunter auch die Dekura, über zwei Millionen PVC-Altfenster recycelt. Sie stammen aus energetischen Sanierungen, wie hier in Rudolstadt, sowie aus Abbruchvorhaben in der ganzen Republik", erläuterte Vetter.

Großer Bedarf mit Blick auf den Klimaschutz
Die Steigerung der jährlichen Recyclingmengen hat auch positive Auswirkungen auf die Recyclingziele des gemeinsamen Nachhaltigkeitsprogramms Vinyl Plus® der europäischen PVC-Branche. Jährlich sollen bis 2030 europaweit eine Million Tonnen PVC aus allen Anwendungen recycelt werden. Vetter: ,,Rewindo leistet hierzu einen bedeutenden nationalen Beitrag." Er rechnet mit weiterhin steigenden Mengen in den kommenden Jahren. Speziell im Bereich der Gebäudesanierung wurde von der Bundesregierung unlängst erneut ein großer Bedarf mit Blick auf den Klimaschutz festgestellt. „Ohne den Einbau neuer und energiesparender Kunststofffenster könnten die Umweltziele im Bausektor nicht erreicht werden“, so Vetter.

Rewindo GmbH