Foto: Martin Modes

Museumsleiterin Sabrina Lüderitz. Foto: Martin Modes

Kuratorin Jeanette Lauterbach Foto. Martin Modes

Käte Rolle, Enkeltochter Arthur Storchs. Foto: Martin Modes

Käte Rolle und die Gäste vom Heimatverein Seelow Foto: Martin Modes

Volkstedt – München – Hamburg - Volkstedt

Das Leben des Porzellanmodelleurs Arthur Storch im Fokus – anlässlich des 75. Todestags - Auch eine Wiederbegegnung mit Joachim Grambeck aus Hamburg

Zunächst klingt es ganz nüchtern: Die Ausstellung mit Werken von Arthur Storch in der Porzellangalerie des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg, die am Freitag eröffnet wurde, umfasst 80 Objekte in den Vitrinen und 55 Arbeiten in der Medienstation. Bis zum 28. August ist sie nun zu sehen.

Doch die Ausstellungseröffnung zeigte, dass es sich hier um weit mehr, um ein kulturell bedeutendes Ereignis für die Porzellanwelt handelt – um eine Wiederentdeckung. „Arthur Storch war & ist eine Koryphäe – eine ganz besondere Persönlichkeit. Kein anderer in Volkstedt tätiger Modelleur kann auf ein solch umfangreiches und von Erfolg gekröntes Schaffen zurückblicken“, drückt es Jeanette Lauterbach aus, die jetzt ein Jahr lang diese Ausstellung vorbereitet hat. Storch stammt aus Volkstedt, lebte und wirkte in zwei der bedeutendsten deutschen Städten, in München und Hamburg, schuf Werke in etlichen deutschen Städten und kehrte in seine Heimat zurück. Dort trug er wesentlich zum Ruf der Schwarzburger Werkstätten bei.

Für viele Volkstedter ist der Name Arthur Storch ein Begriff, auf den Porzellansammler stoßen, wenn sie sich mit den Schwarzburger Werkstätten beschäftigen. Einer von ihnen ist der Hamburger Sammler Joachim Grambeck, der seine großen Tierplastiken aus der Zeit des Jugendstils und Art Déco 2019 auf der Heidecksburg gezeigt hatte. Allein schon seine auf die Manufakturen Meißen, Nymphenburg, KPM Berlin und die Schwarzburger Werkstätten konzentrierte Sammlung zeigt, dass Volkstedter Porzellan in der Bundesliga der deutschen Porzellanmanufakturen mitspielte.

Zu verdanken ist diese Ausstellung, die überregionale Bedeutung für die Porzellangemeinde hat, der Kuratorin und Porzellansachverständigen des Landesmuseums Jeanette Lauterbach, bei der sich Museumsdirektorion Sabrina Lüderitz dafür bedankte.

An der nunmehr eröffneten Ausstellung zum 75. Todestag ist Joachim Grambeck nicht unbeteiligt, war er doch sicher einer der Impulsgeber, um das Werk Arthur Storchs jetzt wieder in die Öffentlichkeit zu bringen. Der eigentliche Motor dieser Ausstellung ist Käte Rolle, Arthur Storchs Enkeltochter. Ihren Großvater hat sie nicht mehr persönlich gekannt hat – doch sie ist heute die sorgsame Hüterin seines Nachlasses. Dieser persönliche Nachlass von Arthur Storch umfasst etwa 100 Zeichnungen, 12 Medaillen und 40 plastische Arbeiten. Seit vielen Jahren sammelt sie Informationen, die eine Grundlage für die Bestandsaufnahme seines Schaffens bilden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind 220 Arbeiten erfasst, die erstmals am 15. Mai in einem Begleitband zur Ausstellung veröffentlicht werden und in dem sein Schaffen ausführlich behandelt wird.

Vor genau 20 Jahren hatte es zuletzt in der KulTourDiele Rudolstadt eine Storch-Ausstellung gegeben. Für Jeanette Lauterbach stand fest, dass man diesmal in der Erforschung einen Schritt vorwärts kommen wollte – was mit der neuen Ausstellung und dem angekündigten Buch mustergültig gelungen ist.

Spannend wie ein Krimi wirkten die Beiträge von Jeanette Lauterbach und Käte Rolle. Diese trug in bewegenden Worten die Entdeckung der Familiengeschichte vor. Einen weiteren Beitrag lieferte der Heimatverein Schweizerhaus Seelow, der mit großer Delegation zugegen war. Die Vereinsmitglieder brachten die Kunde über den Hirscheber im Schweizerhaus in Seelow im Oderbruch im Landkreis Märkisch-Oderland - eine Geschichte in 159 Scherben:  2013 war es ein Zufallsfund von 159 Porzellanscherben im Bodes des Parks in Seelow, wo der Bankier und Mäzen Hugo Simon einst die Figur aufgestellt hatte. Aus dem Jahr 1930 stammt die letzte Aufnahme des Hirschebers, dessen Überrester erst über 70 Jahre später gefunden und inzwischen restauriert wurden. Anlässlich des 100. Geburtstags dieser Storch-Plastik wird sie seit 2021 wieder der Öffentlichkeit präsentiert.

Martin Modes
Presse- und Kulturamt
Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt

Höhepunkte auf der Heidecksburg zur Arthur-Storch-Ausstellung:

2. April 17.00 am Tag des Thüringer Porzellans: Kuratorenführung mit Jeanette Lauterbach und Käte Rolle

15. Mai 15.30 am Internationalen Museumstag: Kuratorenführung mit Jeanette Lauterbach und Käte Rolle

15. Mai 17.30 Uhr am Internationalen Museumstag: Buchpräsentation

16. Juli 17.00: Kuratorenführung mit Jeanette Lauterbach und Käte Rolle

28. August 17.00: Finissage mit Jeanette Lauterbach und Käte Rolle

 

Der Dank des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg geht an die Leihgeber:

Insbesondere Käte Rolle und Joachim Grambeck; Christian Seltmann, Geschäftsführer der Porzellanfabriken Christian Seltmann GmbH, zu deren Porzellangruppe die Aelteste Volkstedter Porzellanmanufaktur gehört; die Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt (der Adler mit Schlange ist seit 2008 als Dauerleihgabe im Museum Heidecksburg); Peter Niedermeyer, Anne Mersmann-Naumann und das Museum für Angewandte Kunst Gera, stellvertretend Dirk Hoffmann und Julia Ortmeyer, die unkompliziert den prächtigen Fasan zur Verfügung gestellt haben.