Tobias Zober und Francesca Müller-Fabbri präsentieren das Gedankenbuch von Ottilie von Goethe. Foto: Christian Hofmann

Tobias Zober übernimmt die Briefe von Johannes Brauer und Steffen Post für die historische Bibliothek. Foto: Christian Hofmann

Schreibkunst der Goethezeit

Handschriften im Schillerhaus übergeben

Am vergangenen Freitag wurden im Schillerhaus ganz besondere Schätze gezeigt. Zum einen ein Gedankenbuch von Ottilie von Goethe, das in der historischen Bibliothek Rudolstadt aufbewahrt wird und zum anderen Briefe aus dem Umkreis der Familie von Beulwitz. Die Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin Francesca Müller-Fabbri ordnete das 82-seitige Büchlein von Goethes Schwiegertochter Ottilie in den historischen Kontext ein. Darin finden sich in der kantig markanten Schrift der Ottilie von Goethe Gedichte und Gedanken sowie Tagebucheinträge und Ideen für die von ihr herausgegebene Zeitschrift „Chaos“. So bunt und vielseitig die Zeitschrift war, war auch das Leben von Goethes Schwiegertochter, sie war als Übersetzerin, Kulturförderin und Redakteurin tätig. Müller-Fabbri, die auch die aktuelle Ottilie-Ausstellung im Goethe-Schiller Archiv Weimar „Mut zum Chaos“ kuratierte, zeigt sich begeistert von dem kleinen Rudolstädter Schatz, der vermutlich aus der ehemaligen Gutsbibliothek des Jagdschlosses Hirschhügel der Familie von Donnersmarck in die historische Bibliothek gelangte. Über einen neuen Schatz für die historische Bibliothek konnte sich an diesem Abend auch Tobias Zober freuen. Der Rudolstädter Antikhändler Johannes Brauer und Steffen Post übergaben dem Leiter der historischen Bibliothek ein Konvolut an Briefen aus der Feder von Amalie Freifrau von Gross, der Schwiegertochter vom damaligen Kanzler Friedrich Wilhelm von Beulwitz, dem ehemaligen Schwager Schillers. In monatelanger Detektivarbeit erschlossen sich die beiden Hobbyhistoriker die Inhalte der Briefe, entschlüsselten die alte Kurrentschrift, recherchierten zu den erwähnten Namen und versuchten alles in einen Zusammenhang zu bringen. Wenn die gefunden Briefe auch nur ein kleiner Teil im großen Puzzle der damaligen Zeit sind, so geben sie doch einen guten Einblick in das Leben um 1830. In der Bibliothek sind sie nun für die weitere Erforschung zugänglich.

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