Co-Drehbuchautorin Merle Teresa Kirchhoff und Regisseur Arkadij Khaet in der Stadtbibliothek. Foto: Michael Wirkner

Was es bedeutet Jude in Deutschland zu sein

Preisgekrönter Kurzfilm „Masel Tov Cocktail“ in der Stadtbibliothek

Es ist ein Studenten-Kurzfilm, ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen wie dem Grimme-Preis, Max Ophüls Preis, Deutscher Kurzfilmpreis oder Publikumspreisen beim Florida Film Festival und dem Filmfest Dresden. „Masel Tov Cocktail“ heißt der Film unter der Regie von Arkadij Khaet und Mickey Paatzsch, der am Montag im Rahmen des Themenjahres „900 Jahre Jüdisches Leben in Thüringen“ in der Rudolstädter Stadtbibliothek gezeigt wurde. Anwesend waren auch Arkadij Khaet und seine Co-Drehbuchautorin und Partnerin Merle Teresa Kirchhoff, die zu einem anschließenden Gespräch zur Verfügung standen.
Die Geschichte des 16-jährigen Juden Dima (gespielt von dem deutschen Nachwuchsschauspieler Alexander Wertmann), dessen Eltern in den 1990er Jahren als Kontingentflüchtlinge in den Ruhrpott kamen, wird rasant, unterhaltsam, witzig und auch informativ erzählt. In 30 Minuten begegnet Dima verschiedenen Entsprechungen der deutschen Mehrheitsgesellschaft mit ihren Vorurteilen gegenüber und Ansprüchen an Juden heute.

Die vielen Preise des Filmes machen Arkadij Khaet, selbst ein Jude einer Familie von Kontingentflüchtlingen aus Moldawien, nicht nur glücklich, sondern manchmal auch etwas skeptisch. Denn Philosemitismus gegenüber Juden, also eine Art antrainierte Freundlichkeit der deutschen Gesellschaft Juden gegenüber, hinterlässt im Alltag bei Juden oft ein ungutes Gefühl. Diese Portion „Nettigkeit“ ist ein Umstand, den Khaet in seinem Kurzfilm ebenso thematisiert, wie Alltagsrassismus. Die Hintergrundgeschichte des Films war es zu erklären, was es bedeutet, Jude in Deutschland zu sein. Laut Khaet werden Juden in deutschen Filmen sonst nur im Kontext des Holocaust gezeigt. Es geht um Tod und Gedenken. „Wir wollten weg von dieser Holocaust-Psychologie“, so Khaet, der gemeinsam mit seiner langjährigen Partnerin Merle Teresa Kirchhoff überlegte, was man einer deutschen Mehrheitsgesellschaft mit auf den Weg geben möchte. Herausgekommen ist ein Film, bei dem die Zuschauer nicht nur etwas über gegenwärtige jüdische Perspektiven lernen, sondern im besten Fall auch etwas über sich selbst.

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