Von Klippen, Klängen und irischem Tanz

Die Rudolstädter Delegation erlebt am Slieve League die wilde Schönheit Irlands, entdeckt Donegal Town und erlebte am Abend in Letterkenny Weltklasse-Irish Dance

Irland zeigte sich am dritten Tag von seiner spektakulärsten Seite: Die Slieve League Cliffs (irisch: Sliabh Liag) gehören mit bis zu 601 Metern Höhe zu den höchsten begehbaren Meeresklippen Europas – fast viermal so hoch wie die berühmten Cliffs of Moher. Von oben eröffnet sich ein überwältigender Blick über den Atlantik, die Donegal Bay und bei klarer Sicht bis hinüber zur Küste von Sligo und Leitrim.

Ein besonderes Erlebnis ist der schmale „One Man’s Path“, ein Trail entlang des Klippenkamms, der Schwindelfreiheit verlangt. Er gilt als Teil des International Appalachian Trail (IAT) – einer Verlängerung des legendären Appalachian Trail aus den USA. Die Idee dahinter: Geologen haben herausgefunden, dass die Gebirgszüge Nordamerikas und Europas vor hunderten Millionen Jahren verbunden waren, als der Superkontinent Pangaea existierte. So führt der IAT heute symbolisch über den Atlantik hinweg – von den Appalachen bis nach Donegal.

Zum eigentlichen Highlight des Tages wurde jedoch Tourführer Eunan. Mit ansteckender Begeisterung erzählte er Geschichten über die Klippen – von frühen christlichen Mönchen, die hier Einsamkeit suchten, bis hin zu Legenden, nach denen Piraten in den Buchten Schutz fanden. In der irischen Folklore gelten die Klippen als Orte voller Mythen: Manche sehen in den zerklüfteten Felsformationen versteinerte Riesen, andere erzählen von Feen, die in Nebelschwaden über das Meer tanzen.

Und dann griff Eunan wie selbstverständlich zur Gitarre, stimmte irische Folk-Songs an und brachte die Reisegruppe mitten in dieser atemberaubenden Landschaft zum Mitsingen. Musik, Legenden und Natur verschmolzen in einem Moment, der wohl keiner so schnell vergessen wird.

Nach so viel Natur folgte ein Kontrast: Ein Abstecher nach Donegal Town, das zwar dem County seinen Namen gibt, mit knapp über 2000 Einwohnern aber überschaubar wirkt und keine Verwaltungshauptstadt ist. Hier blieb Zeit für Souvenir-Shopping in kleinen Läden und für einen kurzen Bummel durch die charmanten Straßen, in denen sich Tradition und Tourismus begegnen.

Der Abend führte die Gruppe zurück nach Letterkenny, in die Brewery Bar. Nach einem ausgiebigen Essen füllte Live-Musik den Raum – und dann wurde es noch spektakulärer: Niemand Geringeres als Niamh Shevlin, Weltmeisterin im Irish Dance, ließ mit atemberaubender Geschwindigkeit ihre Beine über das Parkett klacken. Der Pub verwandelte sich in eine Bühne, die Gäste staunten, klatschten, jubelten – ein Erlebnis, das „typisch Irland“ in seiner reinsten Form vermittelte.

Ob an den steilen Klippen von Slieve League, zwischen Souvenirläden in Donegal oder beim Tanz in der Brewery Bar – der dritte Tag war ein weiterer Beweis dafür, dass Irland nicht nur Landschaft, sondern auch gelebte Kultur ist. Und dass man beides am besten in Gesellschaft erlebt.