Nach der herzlichen Begrüßung am Vorabend begann der zweite Tag der Rudolstädter Delegation in Irland mit einem Ausflug in die Natur in ihrer reinsten Schönheit: Der Glenveagh National Park, der zweitgrößte Nationalpark Irlands, liegt mitten in den einsamen Hügeln Donegals. Mehr als 16.000 Hektar unberührter Landschaft mit Bergen, Mooren, Seen und Wäldern – ein Rückzugsort für seltene Tierarten wie den Steinadler, der hier seit einigen Jahren wieder angesiedelt wird.
Der Weg führte entlang des Lough Veagh, eines glitzernden Sees, der von Bergen eingerahmt wird. Schon der Spaziergang war ein Erlebnis: Stille, nur das Rauschen des Windes und kleiner Wasserfälle, und immer wieder neue Blicke auf die wilde Natur.
Am Ende des Sees tauchte plötzlich das Glenveagh Castle auf, ein viktorianisches Herrenhaus, das im 19. Jahrhundert vom reichen Landbesitzer John George Adair errichtet wurde. Schon die Lage ist beeindruckend: wie eine Oase erhebt sich das Schloss aus der Wildnis, umgeben von aufwendig angelegten Gärten.
Die Delegation erkundete zunächst den Schlosspark – eine grüne Welt voller exotischer Pflanzen, die hier trotz des rauen Klimas gedeihen. Dank der geschützten Lage am See wachsen Rhododendren, Azaleen und sogar mediterrane Gewächse. Besonders eindrucksvoll: die Kombination aus strenger Gartenarchitektur und wilder Natur drumherum. Wer wollte, konnte anschließend auch das Innere des Schlosses besichtigen. Dort erzählen original erhaltene Räume von einer Zeit, in der Adair und später seine Frau Cornelia Gäste aus aller Welt empfingen. Ein Ort, der Luxus, Geschichte und Wildnis miteinander verbindet.
Ein Teil der Gruppe tauschte das Grün der Berge gegen das Blau des Atlantiks: Unter Organisation von dem sonst in Rudolstadt lebenden Iren Karol Kerrane wagten sich die Teilnehmer beim Surftraining in die Wellen. Für viele war es das erste Mal, auf dem Brett zu stehen – ein unvergessliches Erlebnis. Nicht nur der Adrenalinschub, sondern auch das gemeinsame Lachen über misslungene Versuche machten diesen Vormittag zu einem besonderen Highlight.
Die Route des Tages führte weiter zur sagenumwobenen Bridge of Tears – ein Ort, an dem sich einst Familien von Auswanderern verabschiedeten, oft für immer. Der kurze Stopp machte nachdenklich: Geschichte und Schicksale, die sich in die Landschaft eingeschrieben haben.
In Creeslough wartete eine weitere Überraschung: In Rose’s Bar kamen alle wieder zusammen. Dort begrüßten Karol Kerrane und Selina Mowat die Gruppe. Selina, Gründerin des Letterkenny Irish Pub in Rudolstadt, lebt heute in der Nähe – die Freude war groß, sie wiederzusehen.
Die typisch irische Pubatmosphäre ließ nicht lange auf sich warten: lockere Gespräche, gemeinsames Lachen, ein kleiner Imbiss – und vor allem Musik. Die Iren verstanden es einmal mehr, die ganze deutsche Reisegruppe zum Mitsingen zu bringen. In dieser ausgelassenen Runde wurden neue Talente entdeckt.
So endete der zweite Tag mit einer Mischung aus Natur, Kultur, Überraschungen und Freundschaft. Für viele wird dieser Nachmittag in Glenveagh und Creeslough ein unvergessliches Kapitel der Reise bleiben – ein Moment, in dem Naturerlebnis, Geschichte und gelebte Gemeinschaft perfekt ineinandergriffen.