Freitag, früh morgens. Nach einer langen Nacht voller wenig Schlaf – der Körper noch halb im Traum – landet die Delegation aus Rudolstadt in Dublin. Bürgermeister Jörg Reichl, weitere Mitglieder des Stadtrates und Bürgerinnen und Bürger– insgesamt 55 Personen – sind aufgebrochen, um die Partnerschaft zu erneuern und zu vertiefen. Die Luft ist frisch, das Wetter irisch wechselhaft, und die Gedanken noch halb bei Zuhause, halb schon neugierig auf das, was vor ihnen liegt.
Nach der Landung geht es per Bus weiter Richtung Norden, Richtung Letterkenny in County Donegal. Die Fahrt führt durch grüne Hügel, weite Wiesen, ein bisschen Regen, viel Wind, und Wolken, die dramatisch über die Landschaft ziehen – typisch Irland, und genau deshalb so faszinierend.
Ein erster Stopp: Grianán of Aileach, ein imposantes Steinfort hoch oben auf dem Greenan Mountain. Das Fort ist eines der bekanntesten Monumente in Inishowen, County Donegal. Von hier oben öffnet sich ein Panorama über die Täler der Flüsse Foyle und Swilly, über die angrenzenden Landstriche nach Derry, und bis in die Ferne, die Hügel und schroffen Landschaften um Letterkenny.
Historisch und mystisch zugleich: Das Fort wurde vermutlich im 6. oder 7. Jahrhundert n. Chr. erbaut, ist Teil der Geschichte der Uí Néill, eines der alten Herrscherhäuser Irlands. Später wurde es im 19. Jahrhundert restauriert, unter anderem von Walter Bernard, und heute ist es eine geschützte Sehenswürdigkeit.
Der Zwischenstopp hier wirkt wie ein Auftakt: Schweigende Felsen, Wind, der durch Steine pfeift, und die klare Sicht über eine Landschaft, die gleichzeitig wild und willkommenend wirkt.
Am Abend der Ankunft: Die Gruppe wird im Hotel empfangen von Bürgermeister Ciaran Brogan, Mitgliedern des Stadtrates und der Verwaltung – der traditionelle Handschlag, freundliche Worte, ein herzlicher Austausch. Der Empfang ist geprägt von Gastfreundschaft und dem Gefühl, willkommen zu sein. Musikalische Begleitung durch die Musikgruppe "Bellow Beats" sorgte zudem für die passende Atmosphäre.
In ihren Reden betonen Reichl und Brogan, wie wichtig Austausch sei – besonders in Zeiten, in denen Europa nicht nur geografisch, sondern auch moralisch unter Druck steht. Ein Krieg vor der Haustür der EU, und die Frage, wie Verständigung, Kultur und Freundschaft Brücken bauen können – zwischen Nationen, zwischen Menschen.
Ein besonders berührender Moment: Die Musikgruppe spielt „99 Luftballons“ von Nena. Nicht nur ein deutscher Klassiker – das Lied wird eingeflochten in die Thematik: Frieden, Leichtsinn, Warnung, Erinnerung. Das Publikum lauscht, manche singen mit, in einem Moment, der zeigt, wie sehr Musik verbinden kann. Als Zeichen der Wertschätzung werden die Musikerinnen und Musiker eingeladen, Rudolstadt zu besuchen – ein Versprechen, das Hoffnung trägt.
Später – nachdem offizielle Ansprachen vorbei sind – öffnet Letterkenny sein Nachtleben. Die Stadt erlebt die Culture Night 2025, eine Veranstaltung, die ganz im Zeichen von Kunst, Kultur, Musik und Gemeinschaft steht. In Letterkennys Cathedral Quarter, insbesondere in Church Lane und hinter No. 1 & No. 3 Church Lane, gibt es offenes Haus, Theater, Live‐Musik und den Blick auf kulturelle Erneuerung und lokale Initiativen.
Die Reise der Delegation aus Rudolstadt hat gerade erst begonnen. Es warten Tage voller Begegnungen, Erlebnisse, Gespräche, vielleicht auch Herausforderungen – Wetter, Müdigkeit, kulturelle Unterschiede. Doch es ist klar: Diese Reise ist mehr als ein Austausch auf dem Papier. Sie ist Einladung, das Fremde zu verstehen, das Vertraute neu zu sehen, und gemeinsam Ideen für eine vernetzte Zukunft zu spinnen.