Am 20. Oktober verstarb völlig unerwartet und viel zu früh der Rudolstädter Architekt Dieter Zapfe. In Rudolstadt realisierte er mit und für öffentliche und private Bauherren zahlreiche Projekte, die heute das Erscheinungsbild der Stadt bestimmen. Nach seinem Studium der Architektur an der Bauhaus-Universität in Weimar arbeitete er 1988 zunächst im Stadtplanungsamt Saalfeld-Rudolstadt. Nur wenig später folgte er dem Ruf des damaligen Direktors der Heidecksburg, Horst Fleischer, der ihn als Baupfleger des Rudolstädter Schlosskomplexes einstellte. Heute muss man daran erinnern, dass Teile des Schlossparks völlig darnieder lagen, dass die Restaurierungsarbeiten im Festsaal auf Grund permanenter Personal- und Finanznot immer wieder unterbrochen wurden, dass wichtige Räume wegen ihres baulichen Zustandes nicht mehr nutzbar waren. Zur gleichen Zeit verfielen in der Altstadt Rudolstadts ganze Bürgerquartiere und die Aufgänge zum Schloss waren kaum noch passierbar. Diesen Zustand wollte Dieter Zapfe so nicht hinnehmen. Sein Engagement galt Vorhaben, die dem maroden baulichen Erscheinungsbild entgegenwirkten. Diese Planungen hatten schon damals die Rekonstruktion des Schlossparks – samt Schallhaus – zum Ziel und bezogen auch das Reithaus auf der mittleren Terrasse mit ein. Schließlich entstanden erste Entwürfe und Modelle für ein Naturhistorisches Museum. All diese konkreten planerischen Vorhaben unter maßgeblicher Beteiligung von Dieter Zapfe trugen dazu bei, dass nach der politischen Wende im Jahre 1989 auf der Heidecksburg ohne Zeitverlust bestehende Projekte weitergeführt und neue Vorhaben begonnen werden konnten.
Immer wieder den engen Zusammenhang von Schloss und Stadt betonend, wirkte er anschließend im Sanierungsamt der Stadt Rudolstadt und setzte sich für denkmalpflegerische Belange in der Stadt ein. Seit 1991 war er als freiberuflicher Architekt an vielen baulichen Vorhaben beteiligt, die heute das Stadtbild prägen. Dazu gehören die Orangerie in Cumbach, das Soziokulturelle Zentrum saalgärten, viele Wohn- und Geschäftshäuser der Innenstadt, die Gläserne Porzellanmanufaktur in Volkstedt, der Kindergarten „Henry Dunant“ und die Grundschule Rudolstadt-West. Ende der 1990er Jahre übernahm er im Auftrag des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg die Planung und Ausführung der Ausstellungsarchitektur im Museum des Jagdschlosses Paulinzella, die wegen ihres hohen ästhetischen Anspruches große Beachtung fand. Für die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten baute er das Schlosscafe sowie die Reithalle wieder auf. Eines der größten Projekte, an dem sich Dieter Zapfes Leidenschaft für Kunst und Kultur der Region am eindrucksvollsten ablesen lässt, war die denkmalpflegerische Sanierung des Schillerhauses, einschließlich der Planung der Museumsarchitektur. Seit Eröffnung des Schillerhauses im Jahre 2009 etablierte sich die Einrichtung zu einem wichtigen kulturgeschichtlichen Erinnerungsort in Rudolstadt, der fest zum lebendigen klassischen Erbe der Goethe- und Schillerzeit in Thüringen gehört.
Dieter Zapfe hat Spuren in unserer Stadt hinterlassen. Einwohner und Touristen können sich an vielen Orten von seinen Ideen überzeugen. Wir anerkennen und schätzen seine Leistungen hoch ein und werden ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahren.