»Lust und Zuversicht allein sind die Seele meines Wirkens« - Theater Rudolstadt gibt Saison 2020/21 bekannt und plant erste Open-Air-Veranstaltungen noch vor der Sommerpause

Das Theater Rudolstadt spielt wieder. Entgegen vieler Voraussagen sind noch vor den Sommerferien erste Open-Air-Veranstaltungen mit Schauspiel und Orchester geplant. Das verkündete die Theaterleitung am Freitag (29.05.) im Rahmen einer Videokonferenz, in der die Vorhaben der Spielzeit 2020/21 im Fokus waren. Obwohl angesichts der derzeitigen Lage vieles anders wird als gewohnt, warten auf das Publikum in der kommenden Saison insgesamt 21 Premieren im Schauspiel, Oper und Ballett, dazu unterschiedlichste Konzerte in der ganzen Region sowie eine Vielzahl an theatralen Angeboten für Kinder- und Jugendliche. Auch eine eigene Revue mit Bezügen auf die Corona-Pandemie wollen Intendant Steffen Mensching und Chefdramaturg Michael Kliefert dem Spielplan kurzfristig beisteuern. Die neue Spielzeit steht unter dem Schiller Motto: »Lust und Zuversicht allein sind die Seele meines Wirkens«. Selbst wenn aufgrund der sich ständig verändernden Lage viele Dinge offen bleiben, zeige sich eines bereits jetzt ganz deutlich, wie Steffen Mensching betont: »Angesichts voraussichtlich eingeschränkter Platzkapazitäten werden Abonnenten klar im Vorteil sein, wenn es um die Verteilung der reduzierten Sitzplätze geht.«


Für die aktuelle Spielzeit organisiert das Theater hinter verschlossenen Türen ab dem 12. Juni sein Comeback mit Theater und Konzert auf den Open-Air-Bühnen in der Region. Insgesamt 24 Aufführungen soll es nach eigenen Wünschen auf der Schlossterrasse der Heidecksburg, im Garten des Rudolstädter Schillerhauses, auf dem Hohen Schwarm Saalfeld, im Freibad Unterwellenborn und in der Landessportschule Bad Blankenburg geben. Für alle geplanten Aufführungen unter Einhaltung der Hygiene-Standards ist allerdings noch eine Voraussetzung nötig: Sie müssen von den örtlichen Ordnungs- und Gesundheitsämtern genehmigt werden.


Mit vorsichtigem Optimismus, ohne den eine Planung über einen Zeitraum von mehr als einem Monat derzeit kaum möglich sei, sieht Steffen Mensching auf die kommende Spielzeit 2020/21. »Falls bestimmte Beschränkungen in Kraft bleiben oder sich verändern, werden wir mit all unserem Improvisationstalent einen alternativen Spielplan erarbeiten«. Dessen ungeachtet soll die Saison am 5. September mit einem heiteren Theaterfestspaziergang eröffnet werden, zwar nicht, wie üblich, vor dem Theater, sondern mit mehreren Stationen im Heinepark unter dem Titel »Heine – stationär«.


Die erste große Schauspiel-Premiere im Theater im Stadthaus heißt »Ellenbogen Ellenbogen« (26.09.2020, Regie: Steffen Mensching und Michael Kliefert), ein Stück Gegenwart von Steffen Mensching und Michael Kliefert. Als eine Art Bestandsaufnahme geht es mit Kinderaugen auf Spurensuche nach den unscheinbaren und offensichtlichen Veränderungen des Zusammenlebens in dieser Gesellschaft, die das Corona-Virus mit sich gebracht hat. Am 21. November, ebenso im Stadthaus, feiert eine amerikanische Komödie über die lebensbejahende Kraft der Imagination Premiere: das Broadway-Stück »Mein Freund Harvey« von Mary Chase aus dem Jahre 1944 (Regie: Herbert Olschok). Einzelgänger Harvey wird für verrückt erklärt, weil er mit seinem nur für ihn sichtbaren Freund, einem Hasen kommuniziert. Doch schon bald wird klar, dass nicht der Verrückte ist, sondern seine Mitmenschen irre sind. Ähnlich unangepasst und willensstark, nur weit aktiver ist Ilsebill, die Heldin aus dem Schauspiel »Die Sterne vom Himmel runter« von Katrin Lange (30.01.2020, Regie: Alejandro Quintana). Uraufgeführt 1975 in Rostock, beschäftigt dieses DDR-Dramatik-Juwel, frei nach dem Märchen »Der Fischer und seine Frau«, die Frage, warum beste Absichten und Taten sich ins Negative verkehren und mit menschlichen Verlusten einhergehen. Denn ganz anders als in der berühmten Vorlage treibt die junge Frau nicht Habgier und Neid an, sondern die Sehnsucht nach einem sinnvollen und unbeschwerten Leben für alle.
Der Kleist-Klassiker »Der zerbrochene Krug« (27.03.2020, Regie: Markus Fennert) komplettiert die Schauspiel-Premieren im Stadthaus. Ein Richter steht in diesem Lustspiel im Mittelpunkt, der seinen eigenen Machtmissbrauch mit allen möglichen Mitteln vertuschen will.


Auf der Heidecksburg kann das Publikum 2021 endlich den Doppelpack aus »Mitsommernachts-Sex-Komödie« von Woody Allen (18.06.2021, Regie: Philippe Besson) und »Das Dschungelbuch« von Rüdiger Pape nach Rudyard Kipling (10.07.2021, Regie: Robert Neumann) für Familien erleben. In beiden Inszenierungen spielt die Welt des Dschungels – wenn auch auf sehr unterschiedliche Art und Weise – eine große, vielleicht sogar die Hauptrolle.


Im Musiktheater der Thüringer Symphoniker im Meininger Hof Saalfeld kann die Puccini-Oper »Madama Butterfly« (10.10.2020, Szenische Einrichtung: Anette Leistenschneider) in die Saison 2020/21 hinüber gerettet werden. Ursprünglich sollte sie im April 2020 Premiere feiern. Ebenfalls in Kooperation mit dem Theater Nordhausen wird die Operette »Die lustige Witwe« (10.04.2021, Inszenierung: Maria Riccarda Wesseling) von Franz Lehár im Meininger Hof Saalfeld erklingen. Als vollszenische Opernproduktion darf sich das Publikum auf Mozarts »La clemenza di Tito« (20.02.2021, Inszenierung: Sebastian Gühne) freuen, die in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Mainz entsteht. Im Theater im Stadthaus wird Georges Bizets »Carmen« (01.01.2021) als Ballett von Ivan Alboresi zu erleben sein.


Die Saison im Schminkkasten eröffnet ein Nachzügler aus der aktuellen Saison, dem die Corona-Krise dazwischenkam: der Manfred-Krug-Liederabend »Du bist heute wie neu« (05.09.2020, Regie: Reiner Heise). Eine weitere Begegnung mit dem bewährten Künstlerteam Alexander Stillmark (Regie)/Volker Pfüller (Bühne und Kostüme) steht in der Reihe deutsche Humoristen an. Diesmal widmen sich die beiden Gerhard Polt. In vielen seiner Satiren gibt der bayerische Kabarettist, Schauspieler und Schriftsteller dem deutschen Durchschnittsmenschen eine unversöhnlich rumorende Stimme, wie in dem Schminkkasten-Abend »Die Verteidigung der Gummibärchen« (25.09.2020) zu beobachten sein wird. Erst 2018 uraufgeführt wurde das Schauspiel »Furor« (20.11.2020, Regie: Kathrin Brune) von Lutz Hübner und Sarah Nemitz, das mit feiner Beobachtungsgabe die Politikverdrossenheit und Radikalisierung in Deutschland skizziert. In der Uraufführung der Komödie »Doppelkabine« von Katrin Wiegand (23.01.2021, Regie: Reiner Heise) erlebt das Publikum hingegen, was alles passieren kann, wenn ein fast geschiedenes Paar auf einem Kreuzfahrtschiff ungewollt in einer gemeinsamen Kajüte einquartiert wird …


Die Angebote für Kinder- und Jugendtheater kommen weitestgehend als Gastspiele aus dem Landestheater Eisenach. So erwartet das junge und jüngste Publikum bekannte Geschichten wie die von »Mäusecken Wackelohr« (23.09.2020, Regie: Stephan Rumphorst) und »Krabat« (22.04.2021, Regie: Christine Hofer). »Malala« (11.11.2020, Regie: Nico Dietrich) hingegen ist ein Stück nach der wahren Erzählung der jungen Frau Malala Yousafzai, jener berühmten Kinderrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin aus Pakistan und die »Die Verwandlung« (24.02.2021, Regie: N. N.) ist eine Theateradaption von Franz Kafkas berühmter Erzählung. Als Eigenproduktionen wird neben dem »Dschungelbuch« auf der Heidecksburg im Sommer 2021 das Weihnachtsmärchen »Rumpelstilzchen« (31.10.2020, Regie: Kristine Stahl) in einer Fassung von Irene Budischowsky gezeigt.
Der TheaterJugendClub plant, die Premiere von »Alice im Wunderland« (Regie: Friederike Dumke), die im April kurz bevorstand, in der neuen Saison nachzuholen. Außerdem soll es eine Stückentwicklung unter dem Titel »Vor?Spiel!« (18.03.2021, Regie: Friederike Dumke) geben, bei der es um die eigene Selbst(er)findung der jugendlichen Spielerinnen und Spieler geht.


Die Saison der Sinfoniekonzerte der Thüringer Symphoniker im Meininger Hof Saalfeld beginnt mit einem opulenten Auftakt am 25./26. September mit dem russischen Starpianisten und Echo-Klassik-Preisträger Nikolai Tokarev und Rachmaninows 2. Klavierkonzert c-Moll. Im 2. Sinfoniekonzert am 16./17. Oktober beteiligen sich die Thüringer Symphoniker am Beethoven-Jahr 2020 mit seiner 10. Sinfonie, vollendet nach des Meisters Altersskizzen, im Paket mit der legendären 5. »Schicksalssinfonie«. Als weitere Höhepunkte im Konzertspielplan lassen sich hochkarätige Solisten, wie der Solofagottist der Berliner Philharmoniker, Mor Biron, die Wagner-Sopranistin Kirstin Sharpin und die preisgekrönte Harfenistin Anais Gaudemard, ankündigen. Daneben werden sich auch erstklassige Solisten aus den Reihen der Thüringer Symphoniker dem Konzertpublikum vorstellen: Evgeny Liatte, Ekaterina Tolpygo und Viktor Perchyk. Beim Weihnachtskonzert feiert das Publikum auf höfisch-französische Art in Versaille, begleitet im großen Silvesterkonzert in der Stadthalle Bad Blankenburg Kaiserin Sissi (gespielt von Annika Rioux) nach Budapest. Der Corona-bedingt ausgefallene Orchesterball »Frühlingsrauschen« unter dem Motto »Traumschiff ahoi!« wird im Mai 2021 nachgeholt.
Einen Rückblick auf die Spielzeit 2018/19 ließ Verwaltungsdirektor Mathias Moersch zu. Mit einer Auslastung von 85 % ging sie im vergangenen Sommer erfolgreich zu Ende. Insgesamt 522 Vorstellungen wurden von 89.500 Zuschauerinnen und Zuschauern besucht (im Vergleich 89.000 in 2017/18). Auch die Erlöse aus den Vorstellungen bewegten sich auf dem Niveau der davorliegenden Spielzeit.


Die aktuelle Spielzeit kam am 16. März 2020 zum Erliegen, und es musste aufgrund der Coronavirus-Pandemie für die allermeisten Beschäftigten Kurzarbeit beantragt werden. Noch im Monat April 2020 wurde damit begonnen, im technischen Bereich notwendige Wartungsarbeiten durchzuführen. Parallel hierzu wurden Mitschnitte von Inszenierungen über das Internet zugänglich gemacht, was auf breite Resonanz stieß.
Der Ausfall aller Vorstellungen ab dem 16. März 2020 führte auch zu deutlichen Einnahmeverlusten. Auch aus den gegebenenfalls noch realisierbaren Open-Air-Formaten wird dies nicht zu kompensieren sein, da allein das publikumswirksame Sommertheater, welches in diesem Jahr mit zwei Produktionen umgesetzt werden sollte, nicht stattfinden kann. Letztlich wird auch die Wiederaufnahme des Proben- und Spielbetriebs das Theater Rudolstadt vor große Herausforderungen stellen, kündigte Mathias Moersch an. »Auch hier ist mit finanziellen Mehraufwendungen zu rechnen, um alle dann geltenden Auflagen und Bestimmungen umsetzen zu können.«


Zum Stand der Umbauarbeiten informierte der Verwaltungsdirektor rückblickend, dass sich das Theater im Jahr 2019 von seinem Generalplaner aus wichtigem Grunde trennen musste. Um die Arbeiten weiterführen zu können, wurden seitens des Theaters ein Architekt, ein Bauleiter und eine Büromitarbeiterin verpflichtet und zwei Fachplaner vertraglich gebunden. Durch diese Maßnahme ist es derzeit möglich, die Errichtung des Umfassungsbaus gemeinsam mit der Firma Betting voranzubringen. Auch hier kam es zu einer Unterbrechung, da der Grundwasserspiegel in der Baugrube anstieg und eine Arbeit unmöglich machte. Mittlerweile konnte mit dem Guss der Betonbodenplatte für die Weiße Wanne Mitte Mai ein wichtiger Bauabschnitt abgeschlossen werden. Nun werden die Kellerwände hochgezogen.


Für die verbleibenden Generalplanerleistungen wurde eine neue europaweite Ausschreibung vorgenommen. Für diese Leistungen haben sich drei Büros beworben. Das mit dem Verfahren beauftrage Planungsbüro PAD Weimar wertet diese Bewerbungen gegenwärtig aus, damit zeitnah ein neuer Generalplanervertrag geschlossen werden kann.


Der Vorverkauf für die Spielzeit 2020/21 wird nach derzeitigem Stand erst Mitte August beginnen, um dem Theater die Möglichkeit zu geben, noch auf sich ändernde Regelungen reagieren zu können. Für diesen Fall gebe es, so Intendant Steffen Mensching, bereits alternative Spielplanvarianten. Allen Unwägbarkeiten zum Trotz betont er: »Die Festabonnenten müssen selbstverständlich zuerst bedient werden, wenn es um die Verteilung von Sitzplätzen geht. Die beste Zeit also, sich noch schnell ein Abo zu kaufen!«

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