Der Prozeß (nach dem gleichnamigen Romanfragment von Franz Kafka)

22. November 2019
19.30 - 21.30 Uhr

Theater im Stadthaus
Platz der Opfer des Faschismus 1, 07407 Rudolstadt
http://www.theater-rudolstadt.de/

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Zuerst hielt Joseph K. das Ganze für einen Scherz seiner Arbeitskollegen, denn genau am Morgen seines 30. Geburtstags wurde er verhaftet, ohne ,,daß er etwas Böses getan hatte". Jemand mußte ihn verleumdet haben. Von seiner Unschuld überzeugt, versucht der aufstrebende Bank-Prokurist die Gründe für seine Anklage zu erfahren, muß aber feststellen, daß die juristischen Regeln von Recht und Ordnung, an die er geglaubt hat, nicht mehr gelten. Was ihm zur Last gelegt wird, bleibt im Verborgenen, ebenso wie das Gesetz, das unbekannte Richter anwenden. Statt die Aufklärung seines Falls zu bewirken, wird seine Verstrickung immer größer. K. sieht zwar die Gefahr, die ihm droht, läßt sich jedoch immer wieder ablenken. Zu groß ist die erotische Verlockung, die das weibliche Personal im Umfeld des Gerichts auf ihn ausübt. Oder hat Josef K. seine bevorstehende Verurteilung durch die anonyme Macht längst akzeptiert, weil ihn die eigenen Schuld-Schamgefühle bei seinem Widerstand lahmen?
Kaum ein Schriftsteller hat sich so gnadenlos selbst den Prozeß gemacht wie Franz Kafka. Um jeden Nachruhm zu verhindern, plante er die Vernichtung seines Nachlasses und wurde dennoch zum meistbewunderten deutschsprachigen Dichter des 20. Jahrhunderts. Gespenstischer als sein Romanfragment, das er zu Beginn des Ersten Weltkrieges zu Papier brachte, ist die Tatsache, daß seine alptraumhaft-absurden Visionen in der heutigen Gegenwart zur gefühlten Grunderfahrung von vielen geworden sind.