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Gustav Hartmann
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GUSTAV HARTMANN

Gustav Hartmann
Wenn man sich heute etwas tiefgründiger mit der Geschichte in der Zeit um die Gründung der ehemaligen DDR befasst, Berichte über die Vorgänge in dieser Zeit liest, Dokumente durchsieht und mit Zeitzeugen spricht, ist man bestürzt über die Tatsachen von denen man erfährt und erschrocken über das Schicksal der betroffenen Personen. Einer der Betroffenen, der sein Engagement in dieser Zeit mit dem Leben bezahlen musste, war Gustav Hartmann.


Gustav Hartmann wurde am 17. Juli 1916 in Rudolstadt geboren. Er wuchs unter einfachen Verhältnissen in einer sozialdemokratisch geprägten Arbeiterfamilie auf. Nach dem Abitur wollte er Jura studieren. Aufgrund der damaligen Situation im Dritten Reich kam es aber nicht dazu. Der weitere Lebensweg war - wie damals bei allen Männern seines Alters - durch den Arbeitsdienst und nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges durch den Dienst in der deutschen Wehrmacht gekennzeichnet.


Gustav Hartmann
Nach dem Krieg wurde Gustav Hartmann politisch aktiv. Er gehörte zu den Mitbegründern der SPD in Rudolstadt und wollte seine ganze Kraft für die Beseitigung der großen Not und für den Wiederaufbau einsetzen. Gustav Hartmann war ein Gegner der Vereinigung von SPD und KPD. Er pflegte auch weiterhin den Kontakt zur SPD in den westlichen Besatzungszonen und dem damals führenden SPD-Politiker Kurt Schumacher.


Da es praktisch keine Möglichkeit gab, die Zwangsvereinigung beider Parteien zu verhindern und damit der sozialdemokratische Einfluss nicht gänzlich verloren ging, blieb Gustav Hartmann in der SED und stellte sich bei den Kommunalwahlen am 8. September 1946 als Mitglied des Stadtrats seiner Heimatstadt zur Verfügung. Am 12. Mai 1947 wurde er von den Mitgliedern des Stadtrats zum Bürgermeister gewählt.


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In seiner Antrittsrede vor dem Stadtrat betonte er ausdrücklich, mit allen Mitgliedern des Stadtrats, unabhängig von der jeweiligen Parteizugehörigkeit zum Wohle der Stadt zusammenarbeiten zu wollen um die große Not und die vielfältigen Probleme lösen zu können. Sein Wahlspruch lautete: "Aufrecht, ehrlich und treu".


Wahrscheinlich ist Gustav Hartmann durch seine Kontakte zur SPD in den westlichen Besatzungszonen der SED-Führung unbequem geworden oder war auch einigen Personen im Wege. Am 18. Februar 1949 wurde er verhaftet und in das NKWD-Untersuchungsgefängnis nach Weimar verbracht.


Ein halbes Jahr später, am 26. Juli 1949, wurde er vom Militärtribunal der Sowjetischen Militäradministration des Landes Thüringen wegen "Spionage, antisowjetischer Propaganda und illegaler Gruppenarbeit" zu 25 Jahren Freiheitsentzug in einem Arbeits- und Besserungslager und zum Einzug des privaten Vermögens verurteilt.


Gustav Hartmann musste unsägliches Leid erdulden und ist am 25. Juli 1950 - eine Woche nach seinem 34. Geburtstag - im Zuchthaus Bautzen an den Folgen der Haft verstorben. Die Repressalien gegen Gustav Hartmann wurden selbst nach seinem Tode noch fortgesetzt. Für die Trauerfeier anlässlich der Beisetzung der Urne am 14. September 1950 auf dem Nordfriedhof durfte die Trauerhalle nicht benutzt werden. Der damalige Superintendent Thurm hielt die Trauerfeier deshalb an der Familiengrabstätte.

 

Am 10. März 1999 wurde Gustav Hartmann von der Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation vollständig rehabilitiert. An seinem Todestag, dem 25. Juli 1999, wurde im Rathaus der Stadt Rudolstadt eine Gedenkveranstaltung für Gustav Hartmann durchgeführt. Er wurde stellvertretend für all die Bürger Rudolstadts geehrt, die in der Zeit, als die ehemalige DDR installiert wurde, den Repressalien eines diktatorischen Systems unschuldig zum Opfer gefallen sind.


Das Porträt von Gustav Hartmann findet man im Flur der ersten Etage des Rathauses, in unmittelbarer Nähe des Büros, in dem er gewirkt hat. Auf der Messingtafel unter dem Bild steht der Spruch:

 

"Dem Toten zur Ehre - den Lebenden zur Mahnung".

 

Es ist der gleiche Spruch, der sich auch auf dem Mahnmal für die Opfer des Faschismus am OdF-Platz befindet. Gustav Hartmann hat an der Grundsteinlegung für das Mahnmal als Bürgermeister der Stadt Rudolstadt mitgewirkt.

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