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PR─MIERUNG UND ANERKENNUNG 2012

Würdigung des privaten Engagements der Eigentümer für gelungene Bauvorhaben zur Aufwertung des Stadtbildes der historischen Altstadt von Rudolstadt im Jahr 2012

 

1. Prämierung - Gesamtsanierung des Denkmals
Stiftsgasse 34

Das Gebäude Stiftsgasse 34 ist aufgrund der wertvollen kulturhistorischen und baugeschichtlichen Gebäudesubstanz als Einzeldenkmal ausgewiesen. Die Hofanlage wurde 1512 zum ersten Mal erwähnt und seitdem mehrmals umgebaut. In der Zeit von 1832 - 1836 beherbergte der Gebäudekomplex die von Caroline von Schiller gegründete Töchterschule. Mit seiner Kubatur und der erhalten gebliebenen wertvollen Fassade gehört es zu denen das Stadtbild bestimmenden Gebäuden der Stiftsgasse, die den städtebaulichen Raum am Fuße der Heidecksburg prägen. Zudem bildet es ein repräsentatives Pendant zum gegenüberliegenden ehemaligen Bernhardinenstift, dem heutigen Handwerkerhof. Die Bebauung des Grundstückes bestand nach der Wende noch aus einer Hofanlage mit schmalen Seitenflügeln und einem vermutlich im 17. Jahrhundert errichteten zweigeschossigen Hintergebäude mit Mansarddach und den daran anschließenden terrassenartig angelegten Berggarten mit Stützwänden aus Sandstein. Der Gebäudekomplex stand seit ca. 1993 leer und war dem Verfall preisgegeben. Im Rahmen von Sicherungsmaßnahmen 1995 von Bund, Land und Stadt aus dem Städtebauförderprogramm "Städtebaulicher Denkmalschutz" konnten Schäden im Dachtragwerk und an einzelnen Wand- und Deckenkonstruktionen des Vorderhauses behoben werden. Das Dach wurde neu eingedeckt und die Entwässerung erneuert. Der westliche Seitenflügel musste wegen der Gefahr der Ausbreitung des Hausschwammes auf das Vorderhaus abgerissen werden. Am Hinterhaus konnte nur mittels eines Notdaches eine Sicherung durchgeführt werden, mittlerweile ist es weiter verfallen und ruinös.
Günstige Voraussetzungen für einen Eigentumsübergang 2011 waren die reizvolle Lage des Grundstückes mit seinem großzügigen Grundstückszuschnitt, die bereits erfolgten Sicherungsmaßnahmen, kaum erforderliche Grundrissänderungen bei den vorhandenen Wohnungszuschnitten, die gefundene Kompromisslösung mit den Denkmalschutzbehörden hinsichtlich des Anbaus einen Aufzugs auf der Hofseite, die Möglichkeit der Schaffung einer Durchfahrt für Pkws für den Hofbereich sowie der Verzicht auf den Wiederaufbau des eingestürzten Hinterhauses. Damit konnte das von den Bauherren beabsichtigte Sanierungsziel, eine nachhaltige Wohnnutzung in Form des barrierefreien Wohnens, umgesetzt werden. Die derzeit günstigen Finanzierungsbedingungen zur Umsetzung des Konzeptes stellten eine weitere Grundlage für diese Entscheidung dar. Zum Schutz der reich verzierten Fassade wurde eine Innendämmung ausgeführt. Die vorhandenen, einfach verglasten Fensterrahmen und -flügel mit ihren für die Fassadengestaltung günstigen Schmalprofilen konnten aufgearbeitet und durch ein zweites Fenster nach innen, in der Art eines Kastenfensters, ergänzt werden. Beide Lösungen haben sich im Hinblick auf Wärmedämmung und Schallschutz bewährt. Von den wenigen Befunden wurden so viel wie möglich erhalten. Besondere konstruktive Herausforderungen bestanden im Aufbau der neuen Hoffassade und dem Neuaufbau der Geschossdecken, die niveaugleich in allen Ebenen ausgeführt werden mussten. Im Rahmen der Ausführung wurde ein Absenken der mittleren Grundmauer festgestellt. Für die Fassade wurde ein Restaurierungskonzept auf der Grundlage historischer Farbbefunde erarbeitet, die Umsetzung wurde restauratorisch begleitet und entsprechend den Vorgaben hervorragend umgesetzt. Die Instandsetzung der Fassade wurde mit Mitteln der Mehraufwandsförderung aus dem Städtebauförderprogramm "Städtebaulicher Denkmalschutz" unterstützt. Die Sanierung konnte in einer Bauzeit von nur einem Jahr umgesetzt werden. Heute stellt sich das ehemals für seinen damaligen Eigentümer "unbequeme Denkmal" als Blickfang im städtebaulichen Raum dar. Dieses beispielhafte hohe Engagement der Bauherrengemeinschaft wurde durch eine Prämierung öffentlich gewürdigt.

 



vor der Sanierung
vor der Sanierung nach der Sanierung

 

 

2. Anerkennung Neubau Neumarkt 2/Vorwerksgase 1

Der ehemals vorhandene Gebäudekomplex Ecke Neumarkt 2/Vorwerksgasse 1 entstand etwa um das Jahr 1888. In den 1970er Jahren erfolgten ein Umbau des Ladens und ein Teilausbau des Dachgeschosses. Die vorhandenen Gebäude standen seit vielen Jahren leer. Im Oktober 2006 konnte der Gebäudekomplex von der Lebenshilfe Saalfeld-Rudolstadt e. V. erworben werden. Der Erwerb war mit dem Ziel verbunden, am Standort Wohnungen für Menschen mit Behinderungen zu errichten. Die Grundstückslage in der Innenstadt in Verbindung mit den großzügig vorhandenen Gebäudelängen an der bestehenden Ecksituation und die vorhandene Hofsituation mit ihrer Intimität im rückwärtigen Grundstücksbereich waren für die Umsetzung des geplanten Integrationsgedanken für Menschen mit Behinderungen hervorragend geeignet. Durch eindringende Feuchtigkeit aufgrund des verschlissenen Daches, fehlende Entwässerung und Bauschäden kam es zu Fäulnis und Zersetzung der aufstehenden Fachwerkskonstruktionen. Vor allem am Gebäude Vorwerksgasse 1 waren die Schäden 2009 so gravierend, dass dieser Gebäudeteil zum größten Teil nicht mehr begehbar und teilweise schon in Richtung Hof eingestürzt war. Im Gebäudeinneren zum Neumarkt waren unterschiedliche Raumhöhen vorhanden, die durch die geringe Raumhöhe von nur 2,20 m Höhe im OG nicht mehr angepasst werden konnten. Viele Räume waren wegen der geringen Gebäudetiefe nur Durchgangszimmer. Diese Gründe führten dazu, dass dem beantragten Abriss der vorhandenen Bausubstanz von Seiten der Denkmalschutzbehörden und der Stadt Rudolstadt die Zustimmung erteilt werden konnte.
Der städtebauliche Raum am Neumarkt wird eindrucksvoll flankiert durch das Einzeldenkmal des Amtsgerichts und besitzt mit seinen anliegenden historischen Gebäuden und deren kleingliedrigen historischen Fassadengestaltung einen unverwechselbaren Charakter. Die Entscheidung des Bauherrn und des Planers an dem neben dem Marktplatz wichtigen historisch und städtebaulich wertvollen Raum einen Neubau zu errichten, der durch die Aufnahme der ehemals vorhandenen historischen Formensprache in Fassade und Kubatur bei der Gestaltung der Gebäude dem Erhalt des historischen Charakter des Neumarktes an einem exponierten Standort dient, wurde mit einer Anerkennung gewürdigt. Die Fassadengestaltung einschließlich des Dachausbaus mit Gauben zum öffentlichen Raum erfolgte nach historischem Vorbild mit modernen Baumaterialien. Die Hoffassade wurde modern gestaltet und mit Balkonanlagen aufgewertet. Im Innenhof entstand ein Aufenthaltsbereich mit hoher Qualität und viel Liebe zum Detail unter Einbindung vorhandener Stadtmauerreste. Ein Aufzug im Inneren des Gebäudes Neumarkt 2 gewährleistet die erforderliche behindertengerechte Erschließung des Komplexes. Hauseingangstür, Ladeneingang und Toreinfahrt wurden in Holz mit hohem handwerklichem Wert ausgeführt.

 



vor der Sanierung

vor der Sanierung nach der Sanierung

 

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