Die Faszination, die Italien auf uns heute ausübt, die Sehnsucht nach dem „Land wo die Zitronen blühen“, muß man heute nicht mehr erklären. Ob der Reisende die Kunst sucht, die Landschaft, die Geschichte, die Erholung oder die Begegnung mit Menschen, immer war und ist dieses Land von besonderem Reiz.
Der Fremde, der vom 16. bis zum 19. Jahrhundert Italien bereiste, war ein „weltlicher Pilger“ (Attilio Brilli). Er erschloß sich neue Wissensgebiete und verstand sich als Vermittler neuer Erkenntnisse, sei es als Naturphilosoph oder Studierender, als Diplomat, Kaufmann oder Kunstliebhaber.
Für die deutschen Fürstenhöfe avancierte Italien im 18. Jahrhundert zu den bevorzugten Ländern einer Bildungsreise. Auf ihrer „grand tour“ besuchten die jungen Adeligen, immer von erfahrenen Lehrern begleitet, Städte und Sehenswürdigkeiten. In Tagebüchern und Reiseberichten beschrieben sie akribisch fremde Sitten, politische Verhältnisse, Rechtsformen, Kunstwerke und technische Neuerungen. Durch diese schriftlichen Zeugnisse entstand ein facettenreiches Abbild Italiens. Besonders die mitgebrachten Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken der fremden Landschaften üben bis heute auf Grund ihres Motivreichtums und ihrer stilistischen Vielfalt eine unübertroffene Anziehungskraft aus. In den Sammlungen des Residenzschlosses Heidecksburg werden eine große Anzahl dieser Werke aufbewahrt. Die meisten von ihnen erwarb Fürst Ludwig Friedrich II. von Schwarzburg-Rudolstadt (1767-1807) auf Bildungsreisen, die ihn, gemeinsam mit seiner Gattin Caroline Louise von Schwarzburg-Rudolstadt (1771-1854), vor allem nach Rom führten.

